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Die Gefahr einer Gesellschaft, die nach den Interessen einflussreicher Konzerne mit differenzierter Marktpsychologie manipuliert wird, ist leidlich bekannt. Doch das Interesse, diese Tatsachen zu sehen und auch die Chance zur Abgrenzung, im Angesichte einer steigenden Massivität wie Subtilität des Einflusses der einzelnen Industrien, wird geringer. Jeder einzelne von uns hat sich daran gewöhnt, von einer virtuellen Welt umgeben zu sein, die unsere Wünsche produziert und sie auch befriedigt. Lesen Sie den letzten Satz noch einmal langsam und deutlich durch: Jeder einzelne von uns hat sich daran gewöhnt, von einer virtuellen Welt umgeben zu sein, die unsere Wünsche produziert und sie auch befriedigt. Der Wunsch nach Abgrenzung von diesem vorgekauten Universum oder eine Alternative ist kaum noch vorstellbar, so tief ist die Irritation aus den grundlegenden menschlichen Wünschen und die Bindung in die falschen Rituale. In unserer Distanzlosigkeit spielen wir, angefangen bei unseren Freizeitbeschäftigungen über unsere Arbeit bis hin zur Sexualität, oft nur noch nach, was diese subtile Industriemaschine uns vorbetet. Selbst die engen, aber auch die entfernteren persönlichen Verbindungen scheinen mehr dem Marktmechanismus zu folgen als echtem menschlichen Anliegen. Ob wir uns die gesellschaftliche Teilnahmslosigkeit einer schleichenden Politikverdrossenheit, unsere steigenden Bezieh-ungsunfähigkeit in Scheidungsraten und Singledasein ansehen oder auch das Phänomen der Vereinsamung und Isolierung von Menschen, es zeigt unsere Wunschlosigkeit im Unglück.
Die Lehrer und Erzieher unseres Systems sind nicht nur Schulen und Eltern oder gar Vorbilder aus der Gesellschaft, sondern zunehmend die Medien und deren zweifelhafte, unechte Idole, die nur vermeintlich positive Werte vermitteln, weil Ihnen der Zugang zur Erkenntnis selbst fehlt und weil diejenigen, die Werbeetats verwalten müssen, nur von Vermittlungsinhalten profitieren, die unmittelbar oder mittelbar Umsätze erzeugen. So sind Umsatzzahlen und Wachstumsglauben die zentralen Entscheidungskriterien unserer ökonomisierten Gesellschaft. Was sich nicht zählen lässt, hat keinen Einfluss auf Entscheidungsprozesse. Wir mögen manchmal eine kurze Ahnung von der Verlogenheit dieses Theaters haben, meist dominiert jedoch der Glauben an das, was uns da vorgemacht wird. Die Erkenntnis, dass nicht unbedingt das Rationellste das Wünschenswerteste ist, verliert unbemerkt an Raum.
Erwachsenwerden scheint sich nur noch in der Anpassung an die Forderungen der Leistungsgesellschaft und dem Schmücken der eigenen Person mit den Symbolen eines bestimmten gesellschaftlichen Status zu vollziehen statt in der Ausprägung charakterlicher Stärke. Wie häufig sehen wir Verhaltensweisen von Managern und Vorsitzender großer Firmen und Konzerne, die sich auf dem charakterlichen Niveau von zwölfjährigen Jungen bewegen, für die nur Gewinnen zählt. Und auch so manches Verhalten von Politikern kann man von dieser fehlgelenkten Charakterbildung nicht ausnehmen.
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