Persönliche Revolution
Wir haben die Auswahl in unserem Dasein und empfinden die Möglichkeit unter vielen Alternativen zu wählen als normal, weil wir damit aufgewachsen sind und mit dem Zustand der Unfreiheit nur selten konfrontiert wurden. Statt aber wirklich zu leben, operieren wir häufig nur im beschränkten Raum unserer Konsummöglichkeiten. Wir wählen oftmals lediglich zwischen verschiedenen Möglichkeiten des Konsums und fühlen nur noch gelegentlich die tiefe Stumpfheit unseres Daseins in dem Gefühl von Langeweile und latenter Bedrücktheit. Wir haben vergessen, dass uns das Konsumieren nur vormacht, frei und glücklich zu sein. Unkontrollierter Konsum hält uns durch die Vorspiegelung eines begeisterten Daseins nur davon ab, wirklich glücklich zu werden. In unseren Konsumritualen empfinden wir für eine Zeitspanne scheinbar Glück und Lebendigkeit, um dann wieder in eine triste Realität zurückzufallen. Im Grunde befriedigt uns der Konsum aber nicht wirklich, sondern verdeckt lediglich den Schmerz über die Abspaltung von unserer eigenen Entwicklung für eine Zeit lang. Unser Leben bewegt sich dann nur im Teufelskreis von Niedergeschlagenheit und dem Rausch im Konsumerlebnis. Die Folgen übersteigerten Konsums sind körperliche Schäden und psychische Unausgewogenheit. Konsum als Ersatz für wirkliches Erleben macht krank und lähmt. Krankheiten sind der Ausdruck des zivilisierten Organismus gegen die falschen Rituale im Denken und Handeln. Obwohl wir heute alle Möglichkeiten haben, unser Leben zu wählen, sind große Teile unserer Gesellschaft offensichtlich nicht mehr in der Lage diese Chancen zu nutzen.
Nun ist die Betrachtung dieser Tatsachen auf den ersten Blick wenig fruchtbar, und sie lassen sich schnell als halbgare und pessimistische Gemeinplätze abtun. Die Implikationen der Akzeptanz dieses Zustandes sind auf den zweiten Blick jedoch sehr weitreichend. Ob wir ständig Kaffee trinken, viele Süßigkeiten essen, rauchen, uns seichtes im Fernsehen ansehen, einen schlechten oder gar keinen Umgang mit Menschen haben, Drogen nehmen oder nur noch arbeiten, um das alles aus unserem Bewusstsein zu verdrängen. Wir alle hängen von zweifelhaften Verhaltensweisen, Konsumgewohnheiten, von Rausch- und Aufputschmitteln mehr oder minder ab.
Durch die permanente Animation von Körper und Geist ist jeder einzelne von uns latent betäubt. Tagsüber arbeiten wir zu viel, abends lenken wir uns mit Fernsehen ab, gehen mit zu vollem Bauch schlafen und sind zu oft betrunken. Ein solches Leben schränkt die menschliche Möglichkeit in allen Belangen mehr oder minder permanent ein. Genau genommen beschneiden wir dadurch unsere Kritikfähigkeit, unsere Wachheit und Zu-rechnungsfähigkeit im Jetzt mehr oder weniger stark. Die wirtschaftliche Folge einer abhängigen Gesellschaft sind die hohen Kosten, welche die Solidarität unseres Systems an den Rand ihrer Möglichkeiten treibt. Vor allem aber verhindert die Blockierung das fließende Miteinander in menschlicher Gemeinsamkeit. Die Wachheit wieder zu erlangen und offen für menschliche Begegnungen zu sein ist der zentrale Inhalt des Hauptteils.
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