Tuesday, September 19, 2006

simplify

2. Das Einmal Eins des heilen Menschen

Für die eiligen Leser haben wir auf den folgenden drei Seiten die vorangegangenen Kapitel zusammengefasst. Auch für alle anderen ist die Verdichtung hilfreich zum Überblick.

Unser gesellschaftliches Einvernehmen ist stärker von Statusdenken, Rücksichtslosigkeit und Konsum geprägt als von dem Wunsch, andere zu verstehen, ihnen zu vertrauen und sein Selbst zu beherrschen. Die Überzeugung, dass Konsum von Dingen und Dienstleistungen deckungsgleich mit Glück ist, wird kaum noch in Frage gestellt. Es scheint uns nicht einmal übertrieben, den Konsum als tragenden Teil unseres Weltbildes zu bezeichnen.

Die Meinungsbildung unserer Tage ist sehr stark durch die Massenmedien beeinflusst, die stärker auf die Repräsentation von Werten als auf die Entwicklung unserer Person zielen, um diese Werte tatsächlich zu leben. Wir haben falscher Weise gelernt, dass bei allem, seien es Menschen oder Dinge, die Verpackung dem Inhalt gleichzusetzen ist, weil die Zeit fehlt, sich dem wirklichen Inhalt zuzuwenden und weil der Wunsch, den Dingen auf den Grund zu sehen, durch das massive Informationsangebot paradoxer Weise nicht gefördert, sondern manipuliert und abgestumpft wird. Vom Taumel unseres Konsums ist uns mittlerweile so schwindlig, dass wir die Seichtheit unserer eigenen Lebensweise nicht mehr richtig vor Augen haben.

Viele leben in einer anonymen Stadtgesellschaft, in der Zeitknappheit und räumliche Enge sowie ein subtiles Faustrecht und fehlende Zivilcourage zum alltäglichen Erleben gehören. Das führt zu deutlichen Spannungen der Menschen untereinander. Mithin werden diese falschen Verhaltensweisen und das Fehlen eines zwar anerkannten aber nicht stattfindenden richtigen Verhaltens heute kaum noch hinterfragt. Der Unmut darüber wird hin und wieder individuell wie auch gesellschaftlich formuliert. Die Lösungswege sind ganz offensichtlich, werden aber nicht beschritten. So findet keine grundlegende Veränderung statt. Der Verlust des persönlichen Wunsches nach wirklich freier Entfaltung jenseits dessen, was uns unterhält und konsumierbar ist, wird geringer und kann durch Politik nicht erzeugt werden.

Die tatsächlich gelebten Werte und Vorstellungen einer Gesellschaft stimmen mit den Idealen der Politik nicht überein, sondern mit dem standardisierten Menschen- und Lebensbild aus den Massenmedien. Es ist nicht realistisch, auf permanentes Wirtschaftswachstum zu setzen, was die geistige und körperlicher Verkümmerung des Einzelnen zwangsläufig fördert, und sich andererseits eine Gesellschaft aus verantwortungsvollen Men-schen zu wünschen. Wir können diesen Spagat eine Zeit lang machen, besser ist es allerdings zu akzeptieren, dass Menschen, die sich nicht manipulieren lassen, auch mit weniger kaufen zufrieden sind und es wirtschaftlich nicht immer nur steil bergauf geht, dafür aber gesellschaftlich wärmer wird.

http://bistdufrei.de

0 Comments:

Post a Comment

<< Home