Friday, September 15, 2006

Persönliche Revolution

Was bedeutet ein jüngeres Gesicht und ein abgesaugter Bauch für den Mann? Zum einen auf jeden Fall, dass man die fehlende Beherrschung und das schmutzige Leben der vergangenen Jahre, das sich im Gesichtausdruck abzeichnet, reparieren möchte. Ebenso, dass man durch eine Gesichtsrestauration einen höheren Marktwert hat, sei es im Geschäftsleben oder auf dem Markt der Partnersuche. Der Körper wird zum Objekt und genau genommen auch zum Statussymbol. Ein jugendlicher Körper bedeutet ein hohes gesellschaftliches Ansehen. Äußerliche Jugend ist ein Indiz für Reichtum und die Repräsentation von Unabhängigkeit. Wir bilden uns ein, beneidenswert zu sein, solange wir sexy sind. Diese Einstellung bedeutet eine enorme Abhängigkeit. Tatsächlich glücklich werden wir erst, wenn wir verstehen, wie diese enge Sichtweise die Qualität unserer Begegnungen jenseits dieser Fassaden vereitelt.

Wir werden uns in den nächsten Jahren noch allerlei Werbung ansehen, bevor unsere Körper ein einziges Implantat sind. Diese Sichtweise mag man als verkürzt beurteilen und tatsächlich betont sie eher die problematische Seite, zeigt aber deutlich die Entwicklungstendenz der heutigen Gesellschaft: Wir jagen modischen Äußerlichkeiten hinterher, um zufrieden zu werden, werden es dadurch aber nicht wirklich, weil wir unsere Probleme damit nur auf einen späteren Zeitpunkt vertagen und wegrennen statt uns zu verändern und unser inneres Blühen zu kultivieren.

Worin die elementare Ursache unseres verirrten Sexualverhaltens liegt und was daraus nur Folge ist, lässt sich schwer auseinanderhalten. Doch zweifellos kann man an dieser Stelle über die Fixierung des Patriarchats ebenso nachdenken wie über den wirklichen Fortschritt der Emanzipation. Denn, hat sich die Stellung der Frau gemessen am zunehmenden Konsum von Darstellungen, in denen die Frau nicht eben eine gleichbe-rechtigte Rolle einnimmt, tatsächlich verbessert? Es wirkt eher verlogen, auch wenn es mit männlichen Schuldgefühlen einhergeht. Ein anderer Gesichtspunkt in diesem Kontext ist die Tatsache, das wir in einem Jahrhunderte alten Patriarchat leben, deren männliche Ideen sich auch heute noch deutlich in den Vorgaben der Erziehung zeigen und so sind die späteren Auswirkungen spezieller Mädchen- und Jungenerziehung auf das Sexualverhalten nicht eben sehr überraschend. Männer erlauben sich Rechte, die sie Frauen nur begrenzt zugestehen und entziehen sich auch der Verantwortung für ihr Verhalten. Ob ein Matriarchat zu einer besseren Gesellschaft geführt hätte oder führen könnte, sei dahingestellt. Die Vorgabe der geschlecht-lichen Rollenzuschreibungen scheint uns jedoch weitgehend überholt und auch nicht weiter wünschenswert.

http://bistdufrei.de

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