Persönliche Revolution
Zärtlichkeit und Erotikindustrie
Körperliches Zusammensein ist der Ursprung menschlicher Harmonie. Bedenken wir die hohe Medienpräsenz und die latente Abhängigkeit weiter Teile unserer Gesellschaft, darf auch ein Blick auf die Implikationen der Sexualität nicht fehlen. Was ist los mit unserer Sexualität?
Die Sexualität dient der Fortpflanzung, sie dient den Sinnenfreuden und kann unter bestimmten Umständen zur Transformation der Person beitragen. Werfen wir einen Blick auf die Entwicklung sexueller Abbildungen. Über tausend Jahre schon gibt es erotische Darstellungen von Männern und Frauen, hundert Jahre lang Fotografien, seit vielleicht 50 Jahren Sexfilme und seit etwa 10 Jahren die Potenzierung des Ganzen im weltweiten Datennetz. Das erste, was sich aus dieser knappen Betrachtung sehen lässt: Die Zeit der Neuerungen verkürzt sich. Wenn wir uns Entwicklung und Gebrauch sexueller Inhalte ansehen, erhalten wir ein Abbild, welche Dimension die heutige Sexualität hat. Sie wird in vielen Bereichen zweckdienlich eingesetzt, wird überbewertet und missverstanden. Sexualität scheint mehr den Charakter einer Zivilisationskrankheit zu erlangen, als der Vermehrung zu dienen oder ein wirklicher Freudenbrunnen zu sein. Wie mit so vielem in der Wachstumsgesellschaft wird auch mit dem Sex ganz offenbar übertrieben.
Die treibende Kraft bei der Etablierung des weltweiten Datennetzes war der sexuelle Inhalt. Und nicht nur beim Aufbau, auch beim aktuellen Ge- und Missbrauch des Internets spielt Sex eine bedeutende Rolle. Natürlich ließe sich dieser Betrachtung entgegenhalten, sie sei puritanisch statt pluralistisch, aber die Freiheit und Toleranz im Umgang mit Sexualität ist nicht der Kern der Sache, sondern dass Sexualität industrialisiert ist, dass eben auch dieser Teil menschlichen Daseins dem Markt- und Werbemechanismus unserer Tage zunehmend unterworfen ist. Durch die leichte Produzierbarkeit und Wiederholbarkeit in unserer Kultur hat Sexualität eine deutliche Verstärkung erfahren. Doch sie befriedigt den originären sexuellen Wunsch nach körperlich geistiger Verschmelzung gar nicht, sondern fördert eher eine persönliche Irritation und führt in unerwünschte Bindungen. Sexuelle Inhalte werden in allen Medien dazu eingesetzt, Umsatzzahlen zu erhöhen. Im Internet geht es um die Erhöhung von Zugriffszahlen, im Fernsehen um hohe Einschaltquoten und im Bereich der Werbung schließlich darum, mit sexuellen Stimulationen einen Kaufimpuls zu katalysieren.
Das menschliche Reaktionsmuster auf sexuelle Reize ist biologisch determiniert und durch das Reproduzieren und Differenzieren dieser Reize in den Medien entsteht eine andauernde sexuelle Stimulation in unserem Alltag. Letztlich führt eine hohe Anreizung zu einer höheren Präsenz von Sexualität, die vermutlich über das dem Körper zuträgliche Maß hinausgeht. Jedes wirtschaftliche Handeln dient dazu, eine Dimension menschlichen Daseins zu verbessern und dieser Verbesserung zu verbreiten. Zur Sexualität passt das so schlecht wie zu keinem anderen Lebensbereich. Man kann akzeptieren, dass uns Fortschritt der schnelleren Überwindung von Distanzen dient oder höherwertige Nahrungsmittel die Lebensqualität verbessern. Wohin aber führt ein Wachstum in der Sexualität?
http://bistdufrei.de

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