Persönliche Revolution
Freiheit in abhängiger Umgebung
Über die ganzen Bilder, die wir uns ansehen, nähren wir permanent unsere Wünsche und erzeugen Sehnsüchte. Wir leben in einer kollektiven Illusion über unsere Welt, die aus den Medien gespeist wird und die wir wie ein Phantom permanent mit uns herumtragen. Unsere Person wird mehr und mehr ein Abbild, das dieses Phantom imitiert. Der menschliche Austausch ist durch Bilder von Personen geprägt und dabei wird die wirkliche Begegnung von Individuen allmählich verdrängt. Unser Leben läuft in der Bindung an Fernsehserien, berufliche Pflichten, eine vage Weltsicht, eine mehr oder weniger latente Religiosität und bestimmte Angewohnheiten ab, in denen wir nicht wirklich authentisch leben, sondern Bildvorgaben nachahmen.
Diese mentale Bindung korrespondiert mit vielen körperlich schädlichen Konsumgewohnheiten und Abhängigkeiten. Man assoziiert bei Abhängigkeit vielleicht die Drogensucht nach Schmerzmitteln oder Kokain, doch diese Grenzfälle, die sehr schnell zu geistigem und körperlichen Verfall führen, sind gemessen an den sogenannten legalen Abhängigkeiten eine verschwindend geringe Erscheinung. Viel verbreiteter ist der Konsum von Alkohol, Nikotin, Koffein, Zucker und Fernsehen. Wir stellen es heute kaum in Frage, ob diese Stoffe und Gewohnheiten unserem Körper dienlich sind, weil der Konsum gesellschaftlich so weit verbreitet und damit akzeptiert ist, dass eine unabhängige Person schon aus dem Rahmen fällt. Was uns bei Nikotin und Alkohol noch einleuchten mag, wird uns vielleicht bei dem Begriff der Koffein- und Zuckerabhängigkeit fragwürdig. Doch auch der Konsum von Kaffee und Zucker ist für die gesunde Ernährung des Menschen nicht notwendig, es schädigt ihn und weist Merkmale der Sucht auf.
Diese persönlichen Rauschmittel sind also gesellschaftlich etabliert und werden nicht als Abhängigkeiten identifiziert. Ob man Abhängigkeiten aber als Sucht bezeichnet oder wie weit sie akzeptiert wird, ist nur eine gesellschaftliche Norm, die wenig über die Degeneration des Einzelnen in seinen Konsumritualen sagt. Sie macht ebenso wenig eine Aussage über den Gesamt-zustand einer abhängigen Gesellschaft. Sehen wir den Drogen-konsum als Resultat unseres heutigen Zusammenlebens, erkennen wir den schlechten Zustand unserer Gesellschaft ganz besonders deutlich. Unsere Konsumabhängigkeit dokumentiert hochgradig die Bindung des Einzelnen an seine falschen Gewohnheiten. Sie ist eines der offensichtlichsten Merkmale unserer Unfreiheit, obwohl dies gesellschaftlich weitgehend tabuisiert ist. Dass die Abhängigkeit aber etabliert und akzeptiert ist, verringert die Tragweite dieses Themas nur dadurch, dass es aus dem Fokus allgemeiner Diskussion rückt.
Dass Werbung so offensichtlich mit dem Bedürfnis nach Befreiung aus Abhängigkeiten operiert, zeigt wie unfrei wir tatsächlich sind. Die persönliche Gefangenschaft ist ein zentraler Mangel unserer Tage. Denken Sie darüber mal nach: Wir sind aufgeklärt, wir sind überzeugt, wählen zu können, was wir wollen und dennoch fühlen wir uns unfrei. Sind wir tatsächlich freier als zu anderen Zeiten der Geschichte oder hat lediglich die Art der Diktatur sich verändert und es wird einfach nur unbemerkter regiert?
http://bistdufrei.de

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