Thursday, September 14, 2006

Persönliche Revolution

An der Grenze mag man behaupten, Aufklärung führe zu einem freiheitlicheren und zwangloseren Umgang. Nun gut, das ist akzeptabel, es hat aber heute keine Relevanz mehr. Die Wahrheit ist, dass sich der ganze Wirtschaftszweig der sich um die Sexualität rankt, dem Individuum keinen wirklichen Nutzen stiftet, sondern es eher ablenkt, sich anderen Dingen zuzuwenden und Sexualität entspannt und natürlich zu erleben. Wenn wir das Leben als eine möglichst ununterbrochene Kette erdenklichst intensiver Konsumerlebnisse verstehen, fügt sich das Angebot der Sexindustrie wunderbar in unser Leben ein, ansonsten ist es völlig überflüssig. Die Vermehrung der Abbildungen führt zu einer Verzerrung des natürlichen Sexualverhaltens. Wenn diese Branche vom heutigen Niveau aus weiter wachsen soll, bedeutet das nicht weniger, als dass wir alle immer häufiger Sexmessen besuchen, uns Fernsehsendungen über Sex ansehen und in der Konsequenz mehr Sex haben müssen. Tatsächlich ist das aber gar nicht möglich. Die Reizinflation führt nur zum Anwachsen sexueller Extreme. Die Extreme zu Stumpfheit im Zusammen-sein von Partnern.

Auch im Rahmen einer demokratischen und freiheitlichen Gesellschaft lässt sich sicherlich um die Grenzen der Zensur und Liberalität ausführlich streiten, und die Frage, ob die Präsenz von Sexualität immer weiter zunehmen soll, bleibt. Am unteren Rand des Spektrums laufen Menschen bis auf die Augen verhüllt durch die Gegend, am oberen Rand sehen wir wirklich überall aufreizende Abbildungen des weiblichen Körpers. Auch des männlichen Körpers, aber in schwächerem Maße, weil die Verstärkung eines Kaufsignals durch einen sexuellen Inhalt bei Frauen nicht so stark anschlägt und Werbung für Frauenartikel in diese Richtung deshalb nicht so gut funktioniert. Falsch wäre aber der Schluss, dass Frauen bei der medialen Sexualisierung unbeschadet bleiben, denn sie sind zum einen mit den dadurch verbrämten Wünschen und Ansprüchen ihrer Sexualpartner konfrontiert, sofern sie heterosexuell ist. Zum andern ist das weibliche Sexualverhalten ebenso manipuliert und aus seiner natürlichen Grundhaltung deutlich irritiert.

Eine Erscheinung, an der sich die Abspaltung einer sexualisierten Gesellschaft deutlich erkennen lässt, ist die Machbarkeit von Schönheitsvergrößerung durch Operationen. Zweifellos haben diese Eingriffe große Konjunktur, man kauft sich heute einen neuen Mercedes und nächstes Jahr ein neues Gesicht. Schuldlose Kosmetik mit Farben und Düften wird zur chirurgischen Generalüberholung des Körpers gesteigert. Wir wollen hier nicht wiederholen, was sich an Körpern alles korrigieren lässt, nur die Tatsache, dass es möglich ist und zunehmend genutzt wird, entwirft ein Bild deutlicher Regression im Verhältnis zwischen Mann und Frau. Denn ganz offensichtlich fehlt es hier an Selbstachtung und Respekt. Führen wir uns die Implikationen einer Brustvergrößerung einmal vor Augen. Wir unterstellen, dass es nicht um die Therapie psychischer oder körperlicher Probleme geht, sondern die Operation der Verschönerung eines Körpers dient, der normal ist. Eine Frau also verändert ihre Brust, damit Männer sie attraktiver finden. Tut die alleinstehende Frau es, weil sie dann einen reicheren Partner findet oder weil sie sich besser fühlt, wenn sie von einer größeren Gruppe von Männern begehrt wird? Sie steigert dadurch vielleicht ihr Selbstwertgefühl und findet sich selbst schöner, doch auf welcher Basis wird sie dann begehrt, als schöne Puppe oder Spielzeug? Frauen möchten schön sein, um sich selbst lieben zu können. Immer mehr Geld und Aufmerksamkeit wird darauf verwandt, attraktiv zu sein. Ist eine Frau aber wirklich emanzipiert, solange sie versucht, begehrenswert zu sein? Es hinkt, wenn weibliche Emanzipation Unabhängigkeit bedeutet, weil die Frau die ihre Schönheit optimiert vom männlichen Urteil hochgradig abhängig ist. Sie mag dann zwar in den Jahren ihrer Jugend, gemessen an der Zahl der Männer die sie begehren und der Zahl der Frauen die sie beneiden, einen hohen Status genießen, doch im Verblühen ihrer Schönheit wird sie erkennen wie einsam und falsch diese Anerkennung war.

http://bistdufrei.de

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