Persönliche Revolution
Diejenigen, die sich dem Beeinflussungsapparat entziehen, sind in deutlicher Minderzahl. Die Mehrzahl wird getäuscht, indem ihnen populäre Vorteile verkauft werden statt für notwendige Veränderungen einzutreten. Folge ist, dass eine kleine Gruppe einflussreicher Menschen, mit begrenzten Interessen über die Geschicke einer Nation entscheiden. Bürger können sich erst für Richtigeres entscheiden, wenn sie sich dem vorgetäuschten Konsens unserer Tage bewusst entzogen haben.
Zweifellos ist heute jeder für die Anhäufung von Eigentum und dessen unerbittliche Verteidigung anfällig. Die Entwicklung der Person jenseits betriebswirtschaftlicher Ziele und Leistungs-anforderung tritt in den Hintergrund. Es ist aber nur ein bequemer Trugschluss, dass die Anhäufung materieller Werte, die dem Menschen adäquate Lebensform und eine Veränderung nicht möglich ist. Die Verbreitung dieses Irrglaubens dient denjenigen, die Angst vor Entwicklung und Erneuerung haben. Ob für den Menschen die immer stärkere Ausdifferenzierung des Konsums zum kompletten Weltbild werden kann, scheint fragwürdig. Wir denken aber immer mehr an unsere eigenen Bedürfnisse und unseren Besitz und vernachlässigen zunehmend die Kultivierung unserer tieferen Fähigkeiten wie die Pflege unserer Gemeinsamkeit als Menschen und Lebewesen. Dies führt zu fortschreitender Abspaltung des Einzelnen von seinen Mitmenschen und einer Vernachlässigung seiner eigenen Anlagen. Das eine fördert die Einsamkeit, das andere die Stumpfheit und beides das Lebensempfinden von Unglück.
Nun könnte es auf der Hand liegen, uns in Abwendung von der selbstgeschaffenen Sklaverei unseres Wirtschaftssystems der Kirche zuzuwenden, einer Sekte oder irgendeinem esoterischen Bund, um wieder Würde und Achtung zu erfahren statt Gier und Macht. Doch wird das Ausweichen keine wirkliche Änderung der Zustände bringen, höchstens einen zurückgezogenen abgetrenn-ten Raum, in dem man sich irgendwelchen Illusionen hingeben kann. Es lässt sich über die eine wie die anderen Institutionen ebenso viel Gutes wie Schlechtes feststellen, ohne eine lebenswerte Antwort für alle zu finden. Wir können in jeder Lehre eine tiefere Wahrheit finden, aber nur in uns Selbst die Antwort auf die Frage nach unserem Leben. Schließen wir uns allzu entschlossen irgendeiner Art von Bund oder Vereinigung an, laufen wir Gefahr, eine unerwünschte Bindung gegen eine andere zu tauschen. Wir werden damit aber nicht frei, wir wechseln nur die Zelle im Gefängnis. Wer uns glauben machen möchte, die Lösung liege im diesseitigen Leiden für das jenseitige Glück, erscheint uns ebenso zweifelhaft wie wer uns vormacht, wir könnten das Menschsein in andauernden seichten Vergnügungen durchdringen. Die blinde Glorifizierung religiöser oder esoterischer Überzeugungen füllt ebenso wenig den persönlichen Raum aus, wie der flache Hokuspokus unserer Medienkultur uns gestattet der zu sein, der wir wirklich sind. Ein freies Dasein werden wir nur führen können, wenn es uns gelingt, ins Jetzt zurück zu gelangen und darin zu bleiben.
Die Schwierigkeit, vor der wir heute stehen, besteht darin, dass wir für die Veränderung der Gesellschaft die Transformation ihrer Individuen brauchen, ein freierer Mensch aber eigentlich nur aus anderen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erwach-sen kann. Das Entstehen einer aufmerksameren Gesellschaft braucht also einen Menschen mit anderen Prioritäten, obgleich die heutige Gesellschaft einen solchen Menschen kaum fördert oder hervorbringt. Vielmehr wird die Litanei unserer Misere in allen Bereichen hoch und runter gebetet. Nun ist es aber tatsächlich nicht so ausweglos wie es scheint, denn auch wenn die Gesellschaft als Basis des Wechsels keine guten Voraus-setzungen bietet, hat der Einzelne durch die große Freiheit und hohe Sicherheit unseres Systems die Möglichkeit in seinem Leben zu beginnen. Das ist der Kern der Sache. Wir liegen falsch, wenn wir darauf warten, dass uns etwas vorgesetzt wird, was alles auf einmal ändert und heilt. Wir liegen richtig, wenn wir selbst beginnen, uns zu prüfen und unser eigenes Wesen kultivieren. Eine glückliche Gesellschaft ist die Summe entwickelter glücklicher Individuen.
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