Friday, November 24, 2006

Echte Gefühle

Was ist mit den Gefühlen los?

Die individuelle Gefühlsstruktur eines Menschen ist ebenso einmalig wie seine Iris, insofern scheint dieses Thema vielleicht etwas zu heikel, um es allgemeingültig betrachten zu wollen. Wir möchten uns aber, wie in den anderen Kapiteln auch, nur den kleinsten gemeinsamen Nenner ansehen, also was für uns alle mehr oder weniger zutrifft und eine Möglichkeit eröffnet elementar menschliche Zusammenhänge zu erkennen.

Gefühle umfassen, was neben oder unterhalb der Welt Ihrer Gedanken stattfindet, sie sind eine Art seelischer Resonanz-körper. Sie sind glücklich, heiter, traurig, erregt, zornig, niedergeschlagen und so fort. In Gefühlen zu schwelgen, mag Ihnen zunächst gar nicht mal als überprüfenswert erscheinen, so mögen Sie es als positiv empfinden, Gefühle zu haben und grundsätzlich ist das ja auch völlig richtig. Aber die ganze Sache ist subtiler, denn nicht die Gefühle an sich, sondern inszenierte Gefühlstrancen in ihrer Funktion als Substitut für echte Gefühle, die in Bindungen zu Menschen entstehen oder als Installation von Gefühlstrancen, um anderen Tatsachen auszuweichen, sind Bindungen, die Ihnen auf dem Weg zu wirklichem Freisein vielleicht im Wege stehen.

Erkennen Sie, welche Gefühle Sie an sich heranlassen, wenn Sie etwa Romane lesen oder sich Filme ansehen. Sie tauchen in eine vom jeweiligen Autor geschaffene Gefühlswelt. Sie identifizieren sich mit einem Helden oder empfinden Mitgefühl mit einem Verlierer oder öffnen Ihr Herz einem virtuell Leidenden. Immer aber sind dies von einem anderen Menschen vorgekaute, synthetisierte Gefühle, die Sie mehr oder minder bewusst ein- und ausschalten. Und diese Gefühle haben keinen Bezug zu tatsächlichen Menschen, sie sind virtuell und damit in gewisser Weise ungefährlich, aber im gleichen Maße eben genau dadurch unecht, nur installiert und nachgespielt. Das mag in manchen Momenten ein notwendiges Ventil sein, um zu sich selbst wieder Zugang zu finden. Besser ist es aber zweifellos im Kontakt zu der eigenen wirklichen Umwelt zu stehen und die Gefühle zu empfinden, die diese hervorruft. Der Unterschied besteht schlicht darin, dass Sie in der Realität agieren können, während Sie mit Abbildern der Realität zu Passivität gezwungen werden. Besser, wir können über die Dinge wieder weinen, die uns widerfahren und diese Trauer mit Menschen teilen, als vor dem Fernseher über irgendwelche Fiktionen zu trauern. Im letzteren Fall leben sie nämlich nicht wirklich, sondern werden nur manipuliert.

http://bistdufrei.de

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