Thursday, August 31, 2006

Wenn das Bedürfnis ...

Wenn das Bedürfnis ein Produkt zu kaufen sinkt, erhöht sich die Notwendigkeit, diese Kaufentscheidung durch Werbung zu katalysieren. Dies können Sie selbst gut erkennen, wenn Sie sorglos an einer Tankstelle stehen, den Zapfhahn in Ihren Wagen halten und eigentlich nichts denken, nur Ihren Blick schweifen lassen, der dann zuerst am Werbebanner der Benzinpistole hängen bleibt und neuerdings auch mit Werbefilmen oberhalb der Zapfanlage unterhalten wird. Sie müssen permanent etwas über Produkte erfahren, Sie müssen neue Werbebotschaften lernen und Sie sollen nicht mehr zur Ruhe kommen. Wir alle nehmen unweigerlich in bestimmten Bereichen Identitäten der Werbung in unsere Kaufentscheidungen und unser Leben auf.

Sehen wir uns ein paar dieser werbegeschaffenen Wünsche und Persönlichkeiten genauer an. Eine Zigarettenmarke beispielweise verkauft uns als Belohnung für den Konsum von Nikotin und Teer Liberté toujours. Lassen Sie sich das mal auf der Zunge zergehen. Wer diese Zigarette raucht, ist ein richtiger Freigeist, auch wenn er eigentlich eher dämlich und beschränkt ist, schwingt er sich allein dadurch, dass er sich benebelt zu dieser positiven geklärten Identität auf, ist unabhängig und setzt sich leichtfüßig über bürgerliche Konventionen hinweg. Der Zynismus findet seine volle Höhe vielleicht erst in einem Kontext, der lauten könnte: Liberté von der Französischen Revolution bis zur französischen Zigarettenwerbung. Kehren wir den Blickwinkel um, vom werbeerzeugten Identifikationsmuster auf das menschliche Bedürfnis nämlich, können wir aus dem, was die Werbung uns als Typen anbietet gut sehen, wo gesellschaftliche wie individuelle Defizite liegen. Denn wäre von Werbestrategen nicht eine deutlich zu erkennende Gruppe von Menschen auszumachen, die sich unfrei fühlt, gerne aber frei sein möchte, würde die Werbung nicht funktionieren und sich Millionen hohe Werbeausgaben nicht rechnen. Gut, wer wirklich frei ist, braucht kaum eine Zigarette, um dies zu demonstrieren. Das Rauchen ist ein weites Feld, in dem mit diesen vermeintlichen Identitäten gearbeitet wird, wir wachsen von Kindesbeinen an mit der Freiheit des amerikanischen Cowboys auf. Wollen wir es uns wirklich weiter gefallen lassen, dass unsere persönlichen Wünsche und Gefühle mit irgendeiner Marke, einem Konsumprodukt in Verbindung gesetzt werden?

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Wednesday, August 30, 2006

Wir verdienen Geld ...

Wir verdienen Geld, tragen Kleider, fahren einen Wagen, benutzen kosmetische Artikel, wohnen in Städten und fliegen durch die Welt. Auf dem hohen Niveau der Arbeitsteilung unserer Gesellschaft sind wir in allen Lebensbereichen von Dienstleistungen und Produkten umgeben. Das Angebot übersteigt schon lange jedes Maß unseres tatsächlichen Bedürfnisses. Alle Dinge und Dienste müssen immer luxuriöser und subtiler werden, um verkauft zu werden. Doch selbst das reicht nicht aus, um den gewünschten Absatz zu finden. Sie werden massiv beworben und in irgendein glänzendes Licht gerückt, ohne dass noch jemand bemerkt wie blöde und nutzlos etwas in Wirklichkeit ist. Die Bedürfnisvergrößerung durch Werbung wird durch den Aufbau neuer Sehnsüchte und die Herausbildung von Käuferidentitäten forciert. Werbung beeinflusst den Käufer gezielt, er fällt oftmals nur noch eine vermeintlich freie Konsumentscheidung für das, was er kauft, häufig erfüllt er nur ein, über viele Werbeblöcke und -plakate erlerntes, unreflektiertes Rollenmuster, ohne das Erworbene wirklich zu gebrauchen.

Wir alle sind unfreier als wir es glauben, weil viele unserer Entscheidungen aus unserer Grundhaltung irritiert sind. Auf dem hohen Niveau unserer postindustriellen Entwicklung wird der technische Fortschritt immer grenzwertiger. Die zusätzliche Nützlichkeit der Verbesserung eines Produktes also immer geringer. Ein Automobil kann heute beispielsweise noch bei einer Geschwindigkeit von 320 km/h sicher abgebremst werden oder wir können mit unseren Handys Bilder ansehen. Die wirkliche Notwendigkeit, solche Produkte zu kaufen, ist sehr fragwürdig, wenn man es daran misst, wie lange es uns glücklich macht und was wir für den Erwerb an Lügen und Schmerzen auf uns nehmen. Wir werden davon abgelenkt, unsere elementaren Fragen zu bedenken.

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Tuesday, August 29, 2006

Die Möglichkeit ...

Die Möglichkeit zur Abgrenzung und die Wahlfreiheit sind relativ, weil Angebot und Programme sich nicht wirklich unterscheiden. Drehen wir den Blickwinkel um und behaupten, das Fernsehprogramm gestaltet sich nach demokratischen Prinzipien, so hält die Veränderung der Inhalte dem Wandel unserer Gesellschaft allein in den letzten zehn Jahre den Spiegel vor. Sind wir wirklich das, was wir da sehen, brauchen wir das tatsächlich so oder wurden wir verlockt und werden es weiterhin und verlieren zunehmend die Fähigkeit Nein und Stopp zu sagen? Ganz offenbar wird das Fernsehen für Dinge „missbraucht“, denen es tatsächlich gar nicht dienen kann. Es kann mit Vorabendserien keine Freunde ersetzen, es kann in Gameshows nicht das wirkliche Leben sein. Es ist und wird immer nur Abbild bleiben, eine Realität, die aus den Meinungen und Sichtweisen der Produzenten entstanden ist. Es ist nur eine simulierte Wirklichkeit, die zwar dem stattfindenden Leben sehr ähnelt, tatsächlich aber nicht das Leben ist. Und selbst wenn das Abbild spiegelbildlich das wirkliche Leben dokumentierte, bliebe es doch nur wiederholtes Leben, weil Sie daran nicht mehr teilnehmen können. Es ist Vergangenheit. Es verbirgt sich da nicht viel hinter der Mattscheibe. Wenn Sie die Rückseite eines Fernsehers betrachten, sehen Sie das einzige Stück Realität dieses Möbels.

Ich, Ich und Ich

Wir produzieren, was wir zum täglichen Leben brauchen nicht mehr selbst, sondern nehmen an irgendeiner Stelle des komplexen Produktions- und Dienstleistungsapparates unseren austauschbaren Platz ein, um uns für den Gegenwert der eingesetzten Zeit die Produkte des täglichen Lebens zu kaufen. Einerseits produzieren wir Güter und Leistungen, andererseits kaufen wir sie ein. Das ist Marktwirtschaft. In unserer hoch entwickelten Konsumgesellschaft haben wir eine Fülle von Bedürfnissen für die normalerweise der Gegenwert unserer Produktionstätigkeit, unser Einkommen, nicht ausreicht. Das ist Manipulation. Denn wir hungern ja nicht und haben eine Menge Freizeit, aber unsere Bedürfnisse werden durch die Differenzierung des Produktuniversums und die Werbung für diese Produkte vergrößert. Individuell werden sie häufig so groß, dass die meisten von uns ihre Bedürfnisse nicht mit ihrem Einkommen befriedigen können oder sogar ihre Verschuldung nicht mehr bewältigen.

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Sunday, August 27, 2006

Filmen, Unterhaltungssendungen und Infotainement ...

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Filmen, Unterhaltungssendungen und Infotainement. Die Motivation besteht nicht mehr darin, etwas zu erleben oder zu unternehmen, man möchte häufig nur abschalten. Die Animation des Tages wird im Betrachten standardisierter Meinungen über andere fortgesetzt. Die Ausbildung persönlichen Freiheits-strebens wird untergraben, indem man sich mit vorgespielten Freiheiten begnügt. Das Fernsehen verhindert das aktuelle Wohlbefinden und hemmt die Entwicklung aus destruktiven Bindungen heraus. Selbst mit hochwertigen Kultursendungen ist die Berieselung möglich, allerdings kann zugestanden werden, dass die Sogwirkung bei höherwertigen Sendungen geringer ist, denn wo stärker zu Aktivität und Auseinandersetzung des Zuschauers angeregt wird, wird auch mehr Reflektion stattfinden und weniger ein Abschalten durch Einschalten.

Fernsehen und Internet werden in einer überschaubaren Zahl von Jahren zu einem Gebrauchsgerät verschmelzen. Für die Einflussnahme auf den Zuschauer bietet das Internet den Vorteil, dass der Benutzer identifiziert werden kann. Das bedeutet, dass man das Konsumverhalten und die Rezeption von Information viel genauer analysieren wird, was eine differenzierte Manipulation zur Folge hat. Fernsehen und Internet sind also die stärksten Instrumente in der Wiederholung und Fixierung bestehender Zustände. Die Ausschöpfung der Möglichkeiten des Internet steckt noch in den Kinderschuhen und wird, was die Unmündigkeit und Verflachung unserer Gesellschaft betrifft, merkbar zunehmen. Diese Entwicklung wird gerne mit romantisierenden Argumenten einer liberalen Kommunikations-kultur heruntergespielt, was an der Grenze tatsächlich ein positiver Effekt sein mag. Das entscheidende Resultat in der gesellschaftlichen Breite ist aber, dass wir uns immer weiter in virtuell anonyme Beziehungen begeben.

Wir sehen uns ein von Werbeagenturen und Marktforschungs- Instituten entworfenes Bild der Realität an, das uns in zahllosen Wiederholungen vorgebetet wird, bis wir es glauben. Aber es ist nur ein fiktiver Ausschnitt des tatsächlichen Lebens, nicht das Leben selbst. Größtenteils wird es geschaffen, um uns zum Konsumieren anzuregen und uns vorzumachen, dass wir glücklich sind. Vielfältigkeit und das Gleichgewicht der unterschiedlichen Meinungen sind zweifelhaft auf einem sich konzentrierenden Informationsmarkt. Dass sich das Fernsehen zu einem aktiv und selektiv benutzten Kommunikations-instrument wandelt, ist nur ein frommer Wunsch. Wahrschein-licher sind die Szenarien, in denen Computer und Fernsehen zu einem Gebrauchsgerät verschmelzen und Bilder und Töne intensiv und von großen Teilen der Gesellschaft in vermeintlicher Wahlfreiheit häufig und relativ wahllos konsumiert werden. Die angepriesene selektive Wahl wird dann tatsächlich nur von einer kleinen Gruppe entwickelter Benutzer betrieben. Und so birgt der unkontrollierte Fernsehkonsum stärker die Gefahr der Verein-samung, der Abhängigkeit und des Realitätsverlustes in sich.

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Saturday, August 26, 2006

Mediatation und Mediensucht

Woher also kommt es, dass unser heutiger gesellschaftlicher Diskurs ein so starkes Gewicht auf Eigenschaften wie Durchsetz-ung und eigenen Vorteil legt?
Sind es die Rahmenbedingungen und Mechanismen unseres Wirtschaftssystems, die unser Zusammenleben immer mehr bestimmen? Liegt es an der mangelnden Ausbildung der anderen Eigenschaften des Menschen, entstehen sie erst aus der fehlenden Entfaltung seiner Anlagen? Kommt es vom vielen Fernsehen, dass wir so sind wie wir sind?

Das Fernsehen ist heute der Hauptvertreter der Massenmedien. Sicherlich ist es das wichtigste Instrument zur Wiederholung und Fixierung der bestehenden Zustände. Dass Fernsehen an sich schon dazu verleitet, es falsch zu benutzen, liegt an der intensiven Sinnesansprache bei gleichzeitiger körperlicher Passivität. Man befindet sich beim Fernsehen in einem rein konsumierenden Zustand, der kein teilnehmendes eigenes Handeln zulässt. Dass es den einzelnen Sendern um Einschaltquoten geht, bedeutet nicht weniger, als den schwächsten Punkt der Anfälligkeit der Zuschauer zu finden, um sie zu irgendetwas Nutzlosem zu verleiten. Schon diese Tatsache allein führt den Wunsch von Politikern, Erziehern oder gar den janusköpfigen Sprechern des kommerziellen Fernsehens selbst, das Fernsehen möge bedacht benutzt werden, weitgehend ad absurdum. Die gesellschaftliche Wahrheit sieht wohl so aus, dass wir uns immer weiter in die Gefangenschaft vorgefertigter Meinungen begeben.

Individuell gesehen, treten die Fallen des Fernsehens deutlich in zu langem Konsum auf, dem wahllosen Aneinanderreihen von ...

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Friday, August 25, 2006

Der freundliche Mensch ...

Der freundliche Mensch zählt heute aber eher zur Spezies der Exoten, weil wir nicht Freundlichkeit, sondern Durchsetzung der eigenen Interessen erwarten. Natürlich ist das nicht immer so offensichtlich, denn häufig erfahren wir eine interessengelenkte Freundlichkeit. Ehrliches Wohlwollen, aus dem Verstehen des Menschen und der Menschheit an sich, finden wir nicht allzu häufig. Wer kein Ziel verfolgt, seine Interessen nicht pausenlos durchboxt, wirkt irritierend und wird schnell als verblödet, romantisch und weltfremd abgetan. Doch selbst diejenigen, die sich bemühen, tolerieren das Fehlverhalten ihrer Umwelt schon so lange, dass sie es gar nicht mehr als Fehlverhalten wahr-nehmen. Sogar ihr eigenes an sich normales Verhalten scheint ihnen manchmal verkehrt.

Nun ist das Herausfallen aus einer humanen Grundhaltung heute so weit fortgeschritten, dass wir das Abgeschnittensein von der natürlichen Haltung gar nicht mehr richtig bemerken. Man kann natürlich ausführlich darüber streiten, was Humanität ist und ob Sie einen grundlegenden Wert darstellt, ob es solche Werte für die Menschen überhaupt gibt und so weiter. Die Diskussion lässt sich aber schnell beenden, wenn wir Humanität als das Wesent-liche des Menschseins erkennen, das uns von den anderen Lebewesen unterscheidet. Aus dieser Perspektive versteht man schnell, dass es nicht Wettbewerb und Überlebenskampf sind, sondern die entwicklungsgeschichtliche Einzigartigkeit des Menschen in seiner Fähigkeit des gegenseitigen Verstehens liegt.

So lange wir uns in den niederen Gefilden des Gegeneinanders im Leistungswettbewerb bewegen, schöpfen wir unsere Möglich-keiten als Menschen nicht aus, sondern bewegen uns lediglich durch unsere hohe Spezialisiertheit und unseren Reichtum über dem Niveau der anderen Säugetiere. Wer konstatiert, der Mensch sei von seinem Wesen her egoistisch und aggressiv und somit in einem leistungsorientierten Wettbewerbssystem optimal repräsen-tiert, übersieht, dass nur die besondere biologische Ausstattung des Menschen das Potenzial zu einem großzügigen und aufmerk-samen Zusammenleben birgt.

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Thursday, August 24, 2006

Hier wird jeden Tag eine Seite aus "bistdufrei.de , Bedienungsanleitung für die persönliche (R)Evolution vorgelesen

Er zieht damit eine Grenze um sich, indem er aus seinem Besitz einen Anspruch auf Wertschätzung ableitet. Ein Wagen, Kleidung oder teure Urlaubsreisen sollen uns sagen: Seht, ich bin wichtig, habt Respekt vor mir und ordnet euch mir unter. Das führt zu Missverständnissen, weil ein präsentierter Status etwas über die Besitztümer aussagt, aber nicht wirklich etwas über die Person.

Ein gesellschaftlicher Status muss auch nicht unbedingt der momentanen Situation entsprechen. Um einen Brand zu löschen ist ein altgedienter Feuerwehrmann sicherlich besser geeignet als ein Chirurg. Wenn aber der Feuerwehrmann aufgrund seiner Wichtigkeit im Brandfalle glaubt, generell die Vorfahrt zu haben, ist sein Statusdenken sicherlich deplatziert. Solche alltäglichen Starrheiten führen zu Missverständnissen und Rangeleien. Sie fördern durch ihren Irrtum Neid und Aggressionen.

Wer seinen Besitz demonstriert und darum erbittert kämpft, gilt in unserer Gesellschaft als erfolgreich. Kampf und Ringen, um den eigenen Vorteil und das damit zusammenhängende Einkommen finden als Leistung allgemeine Anerkennung. Erfolg zu haben, bedeutet angesehen zu sein. Deshalb sind Neid und aggressive Durchsetzung auch die Folge der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einer Leistungsgesellschaft. Es geht heute nicht mehr darum, die eigene Existenz zu sichern, sondern den eigenen Status zu erhalten oder zu verbessern. Den Mitteln, diese Ziele zu erreichen sind weniger Grenzen gesetzt denn je. Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft kommen im Zusammenleben sicher vor, sind aber unrealistische Vorstellungen von der Basis unserer Beziehungen. Sie werden relevant, nachdem die eigenen Bedürfnisse erfüllt sind. Diese gegenseitige Achtlosigkeit verwechseln wir mit Freiheit und übersehen dabei, dass wir über unser Statusdenken eine enorme gegenseitige Kontrolle ausüben. Zu glauben, wenn sich keiner um den anderen schert, lässt es sich frei beweglich leben, ist ein Irrtum. Tatsächlich funktioniert die gegenseitige Aufmerksamkeit da, wo sie besonders hinderlich ist: Wo der Einzelne sich etwas erlaubt, was keinem anderen schadet, aber ungeheuren Neid erzeugt.

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