Monday, December 11, 2006

Persönliche Kreativität

Wir haben bereits begonnen zu erlernen, unsere Seinsweisen zu beobachten, zu steuern und für Körper und Geist eine Wahl zu treffen. In diesem Abschnitt über die Verhaltensweise wollen wir den dritten Schritt der Erzeugung des erwünschten Lebenszustandes unter die Lupe nehmen, unsere Verhaltensweise. Ihr Leben ist eine Kette von Ritualen: gewollten, unterbewussten und mitunter zwanghaften. Ein neuralgischer Punkt Ihrer persönlichen Entwicklung besteht darin, diese Rituale zu betrachten, sie in ihren Zusammenhängen zu erkennen, um sie schließlich verändern oder beenden zu können. Sie werden als Kettenraucher aber nicht von einem Tag auf den anderen völlig aufhören können, oder nur, wenn Sie sich des Grenzerlebnisses dieser Gewohnheit völlig bewusst sind. Sie kommen in Ihrem Lebensablauf immer wieder an Punkte, an denen ein bestimmtes Verhaltensmuster einsetzt. Sie essen Schokolade aus Langeweile, Sie rauchen wegen Stress, Sie hören laute Musik, weil Sie die Stille traurig macht oder Sie haben Sex, weil Sie sich aufgedreht fühlen. In all diesen Fällen ist eine Empfindung mit einem zweifelhaften Ritual verknüpft. Um Neues zu erfahren, muss die Grenze, also der Übergang von der Empfindung zum Ritual neu erfahren werden, Sie müssen ein neues Grenzerlebnis schaffen.

Das fordert zunächst Kreativität, denn Sie sind an Ihre Handlungen gewöhnt und neue Ideen fallen zwar vom Himmel, nützen Ihnen aber nur, wenn sie von Ihnen ergriffen werden. Es erfordert auch Konzentration, denn Sie müssen sich spüren, wenn Sie etwas ändern wollen. Und schließlich erfordert auch Durchhaltevermögen, denn Sie müssen das Ritual, das Sie über Jahre gelernt haben, neu erleben und sich allmählich daran gewöhnen. Statt z.B. Süßes zu essen, beantworten Sie Ihre Lust auf eine Schokolade mit dem Zerkauen einer Möhre in hundert Bissen. Eine hilfreiche Faustregel lautet: an zwei aufeinander-folgenden Tagen nicht die gleiche unerwünschte Verhaltensweise zu tun. Mit dem Befolgen dieser simplen Regel treten Sie den ersten Schritt von Ihrem unerwünschten Ritual weg. Sie stehen stets vor drei Handlungsalternativen: erstens, das unerwünschte Verhalten zu wiederholen, zweitens still zu halten oder drittens den Auslösereiz, Ihren Impuls, mit einer neuen Verhaltenweise zu verbinden. Wenn Sie das unerwünschte Verhalten mit tausendfacher Wiederholung in sich eingeprägt haben, wird es einiger Wiederholungen der neuen Erfahrung benötigen, um das alte Ritual verblassen zu sehen. Geschenkt bekommen Sie das nicht, aber Sie werden es schaffen, wenn Sie sich völlig darüber im klaren sind, wie sehr die Wiederholung Ihrer alten Gewohn-heit Sie im Grunde genommen langweilt. Die philosophische Wendung „der Mensch kann zwar tun was er will, aber er kann nicht wollen was er will“ hat seine Berechtigung, wenn wir einen bestimmten Zeitpunkt betrachten, in dem wir die Gefangenen unserer geliebten Gewohnheiten sind. Der Gedanke führt jedoch in die Irre, wenn wir uns einen längeren Zeitraum betrachten und die Perspektive einnehmen, dass das, was wir wollen nur dadurch entsteht, dass wir es oft genug wiederholt haben. Wir können wollen, was wir wollen, wenn wir genügend Geduld aufbringen.


http://bistdufrei.de

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