Sunday, August 27, 2006

Filmen, Unterhaltungssendungen und Infotainement ...

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Filmen, Unterhaltungssendungen und Infotainement. Die Motivation besteht nicht mehr darin, etwas zu erleben oder zu unternehmen, man möchte häufig nur abschalten. Die Animation des Tages wird im Betrachten standardisierter Meinungen über andere fortgesetzt. Die Ausbildung persönlichen Freiheits-strebens wird untergraben, indem man sich mit vorgespielten Freiheiten begnügt. Das Fernsehen verhindert das aktuelle Wohlbefinden und hemmt die Entwicklung aus destruktiven Bindungen heraus. Selbst mit hochwertigen Kultursendungen ist die Berieselung möglich, allerdings kann zugestanden werden, dass die Sogwirkung bei höherwertigen Sendungen geringer ist, denn wo stärker zu Aktivität und Auseinandersetzung des Zuschauers angeregt wird, wird auch mehr Reflektion stattfinden und weniger ein Abschalten durch Einschalten.

Fernsehen und Internet werden in einer überschaubaren Zahl von Jahren zu einem Gebrauchsgerät verschmelzen. Für die Einflussnahme auf den Zuschauer bietet das Internet den Vorteil, dass der Benutzer identifiziert werden kann. Das bedeutet, dass man das Konsumverhalten und die Rezeption von Information viel genauer analysieren wird, was eine differenzierte Manipulation zur Folge hat. Fernsehen und Internet sind also die stärksten Instrumente in der Wiederholung und Fixierung bestehender Zustände. Die Ausschöpfung der Möglichkeiten des Internet steckt noch in den Kinderschuhen und wird, was die Unmündigkeit und Verflachung unserer Gesellschaft betrifft, merkbar zunehmen. Diese Entwicklung wird gerne mit romantisierenden Argumenten einer liberalen Kommunikations-kultur heruntergespielt, was an der Grenze tatsächlich ein positiver Effekt sein mag. Das entscheidende Resultat in der gesellschaftlichen Breite ist aber, dass wir uns immer weiter in virtuell anonyme Beziehungen begeben.

Wir sehen uns ein von Werbeagenturen und Marktforschungs- Instituten entworfenes Bild der Realität an, das uns in zahllosen Wiederholungen vorgebetet wird, bis wir es glauben. Aber es ist nur ein fiktiver Ausschnitt des tatsächlichen Lebens, nicht das Leben selbst. Größtenteils wird es geschaffen, um uns zum Konsumieren anzuregen und uns vorzumachen, dass wir glücklich sind. Vielfältigkeit und das Gleichgewicht der unterschiedlichen Meinungen sind zweifelhaft auf einem sich konzentrierenden Informationsmarkt. Dass sich das Fernsehen zu einem aktiv und selektiv benutzten Kommunikations-instrument wandelt, ist nur ein frommer Wunsch. Wahrschein-licher sind die Szenarien, in denen Computer und Fernsehen zu einem Gebrauchsgerät verschmelzen und Bilder und Töne intensiv und von großen Teilen der Gesellschaft in vermeintlicher Wahlfreiheit häufig und relativ wahllos konsumiert werden. Die angepriesene selektive Wahl wird dann tatsächlich nur von einer kleinen Gruppe entwickelter Benutzer betrieben. Und so birgt der unkontrollierte Fernsehkonsum stärker die Gefahr der Verein-samung, der Abhängigkeit und des Realitätsverlustes in sich.

http://bistdufrei.de

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