Der freundliche Mensch ...
Der freundliche Mensch zählt heute aber eher zur Spezies der Exoten, weil wir nicht Freundlichkeit, sondern Durchsetzung der eigenen Interessen erwarten. Natürlich ist das nicht immer so offensichtlich, denn häufig erfahren wir eine interessengelenkte Freundlichkeit. Ehrliches Wohlwollen, aus dem Verstehen des Menschen und der Menschheit an sich, finden wir nicht allzu häufig. Wer kein Ziel verfolgt, seine Interessen nicht pausenlos durchboxt, wirkt irritierend und wird schnell als verblödet, romantisch und weltfremd abgetan. Doch selbst diejenigen, die sich bemühen, tolerieren das Fehlverhalten ihrer Umwelt schon so lange, dass sie es gar nicht mehr als Fehlverhalten wahr-nehmen. Sogar ihr eigenes an sich normales Verhalten scheint ihnen manchmal verkehrt.
Nun ist das Herausfallen aus einer humanen Grundhaltung heute so weit fortgeschritten, dass wir das Abgeschnittensein von der natürlichen Haltung gar nicht mehr richtig bemerken. Man kann natürlich ausführlich darüber streiten, was Humanität ist und ob Sie einen grundlegenden Wert darstellt, ob es solche Werte für die Menschen überhaupt gibt und so weiter. Die Diskussion lässt sich aber schnell beenden, wenn wir Humanität als das Wesent-liche des Menschseins erkennen, das uns von den anderen Lebewesen unterscheidet. Aus dieser Perspektive versteht man schnell, dass es nicht Wettbewerb und Überlebenskampf sind, sondern die entwicklungsgeschichtliche Einzigartigkeit des Menschen in seiner Fähigkeit des gegenseitigen Verstehens liegt.
So lange wir uns in den niederen Gefilden des Gegeneinanders im Leistungswettbewerb bewegen, schöpfen wir unsere Möglich-keiten als Menschen nicht aus, sondern bewegen uns lediglich durch unsere hohe Spezialisiertheit und unseren Reichtum über dem Niveau der anderen Säugetiere. Wer konstatiert, der Mensch sei von seinem Wesen her egoistisch und aggressiv und somit in einem leistungsorientierten Wettbewerbssystem optimal repräsen-tiert, übersieht, dass nur die besondere biologische Ausstattung des Menschen das Potenzial zu einem großzügigen und aufmerk-samen Zusammenleben birgt.
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